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Die Eingangshalle des Gebäudes des Bundesrates

Der Bundes­rat im Herren­haus­gebäude

In der Leipziger Straße 3-4, am Rande des Berliner Parlaments- und Regierungsviertels, hat der Bundesrat seinen Sitz. Hier, im Gebäude des ehemaligen Preußischen Herrenhauses, nicht weit vom Potsdamer Platz entfernt, tagt seit September 2000 die Vertretung der Länder der Bundesrepublik.

Ein his­to­risch be­deu­tsa­mer Ort

Mit dem Umzug aus dem Bonner Bundeshaus fand der Bundesrat in Berlin ein repräsentatives Gebäude mit über einhundert Jahren politischer Geschichte.

Zunächst entstanden 1734 auf dem Grundstück Leipziger Straße 3-4 zwei getrennte Gebäude. In der Leipziger Straße 3 lebte ab 1825 die Familie Mendelssohn Bartholdy; Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte hier im Jahr 1827 die Ouvertüre zum „Sommernachtstraum“. Nach dem Verkauf wurde das Gebäude ab 1851 vom Preußischen Herrenhaus genutzt, der Ersten Kammer im parlamentarischen System Preußens, deren Mitglieder ausschließlich vom König berufen waren.

Gleich nebenan, in der Leipziger Straße 4, hatte seit 1761 die Königliche Porzellanmanufaktur (KPM) ihren Sitz. Das Gebäude, groß genug und zentral gelegen, wurde vom 1871 gegründeten Deutschen Reich als provisorische Unterkunft für den neuen Reichstag auserwählt, die Manufaktur zog nach Berlin Charlottenburg.

Mit der Fertigstellung des neuen Reichstagsgebäudes im Jahr 1894 zog der Reichstag aus der Leipziger Straße 4 aus. Die beiden alten Gebäude in der Leipziger Straße 3 und 4 wurden abgerissen. Bis 1904 entstand ein repräsentativer Neubau für das Preußische Herrenhaus nach den Plänen des Architekten Friedrich Schulze-Kolbitz, der zuvor auch den Neubau für den südlich gelegenen Preußischen Landtag entworfen hatte. Hier hat seit 1993 das Berliner Abgeordnetenhaus seinen Sitz; beide Gebäude sind noch heute mit einem Durchgang miteinander verbunden.

Be­weg­te Ge­schich­te

Das Gebäude des Preußischen Herrenhauses steht mit seiner Geschichte symbolisch für die vielen Brüche in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Während der Novemberrevolution 1918 tagten hier die Arbeiter- und Soldatenräte; die Monarchie und mit ihr das Preußische Herrenhaus wurden aufgelöst. Von 1921 bis 1933 hatte der Preußische Staatsrat als Vertretung der Provinzen des Landes Preußens seinen Sitz im Gebäude. Präsident des Staatsrates war der spätere erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer. Auch das Preußische Ministerium für Volkswohlfahrt war hier untergebracht.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Gebäude zunächst in eine „Stiftung Preußenhaus“ überführt und dem benachbarten Reichsluftfahrtministerium zugeordnet; das 1935 geschaffene Reichskirchenministerium hatte hier seinen Sitz.

Nach 1945 lag das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Gebäude im sowjetischen Sektor. Seit 1946 nutzte die neu gegründete Akademie der Wissenschaften Teile des Hauses; später kamen der Akademieverlag und die Staatliche Plankommission der Deutsche Demokratische Republik (DDR) hinzu. Wie viele andere Gebäude, die nach 1961 direkt an der Berliner Mauer standen, lag das Herrenhausgebäude über Jahrzehnte im Schatten der Geschichte.

Ein mo­der­ner Par­la­ments­sitz

1996 beschloss auch der Bundesrat, nach Berlin zu ziehen. Mit dem Gebäude in der Leipziger Straße 3-4 stand ein repräsentatives und zugleich geschichtsträchtiges Haus zur Verfügung. Die Umbauarbeiten für den Bundesrat begannen 1997 nach den Plänen des Architekturbüros Schweger plus+ Partner aus Hamburg. Am 29. September 2000 fand die erste Sitzung des Bundesrats in seinem neuen Haus statt.

Das Gebäude verbindet die erhaltene historische Bausubstanz mit moderner Architektur, die den besonderen Anforderungen des Parlamentsbetriebs gerecht wird. Das Herzstück des Baus ist der mit einer modernen Glasdecke versehene neu gestaltete Plenarsaal, dessen Vorgänger im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört worden war.

Mit Per Kirkebys Skulpturen auf dem Dach des Hauses und Rebecca Horns bewegter Kunstinstallation „Die drei Grazien“ in der Wandelhalle setzt der Bundesrat auch eindrucksvolle künstlerische Akzente. Die vom Landschafsarchitekten Gustav Lange entworfene Gestaltung des Ehrenhofs erinnert an die Gartengestaltung der Barockzeit; 35 Terrakottatöpfe mit Hortensienbüschen werden durch Buchsbaumhecken eingerahmt. Wie zufällig entspricht die Anzahl der Töpfe der Anzahl der Stimmen im Bundesrat, die für eine absolute Mehrheit bei den meisten Abstimmungen im Plenum benötigt werden.

Wei­ter­füh­ren­de In­for­ma­tio­nen

Der Europaaus­schuss im Bundes­rat

Plenarsaal des Bundesrates

Mitwirkungs­rechte des Bundes­tages in EU-Angelegenheiten

Plenarsaal des Deutschen Bundestages

Europa in den Aus­schüssen des Deutschen Bundes­tages

Europäische Flagge